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Alte Burg Penzlin

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Waffenprunk und Jagdleben

Die seit Mai 2013 im Obergeschoss der Burg Penzlin gezeigte Ausstellung möchte Durchblicke auf den einstigen Kosmopolitismus des Maltzanschen Adels ermöglichen und wiedererschaffen, was in den Lebenserinnerungen des Grafen Hans-Werner von der Recke, Enkel des Freiherrn Johannes v. Maltzan-Penzlin (1845-1927), eine Spur hinterließ:
„Die Wände der Eingangshalle waren mit Geweihen geschmückt. Der Flur war Terazzo. Über der Tür zum Eßzimmer hingen eine alte Ritterrüstung, Armbrüste, Hellebarden, Schilder usw., auch Gewehre und Pistolen“.

Waffenprunk und Jagdleben

Heute ist von der einstigen Innenausstattung und der einstigen Aufteilung der Räume in der Neuen Burg nicht mehr viel übrig. Dennoch will diese Inszenierung sehen lassen, was es schon nach dem Konkurs der Maltzans 1929 in Penzlin nicht mehr gibt: die reichhaltigen Sammlungen auf der Neuen Burg, zu der auch Waffen gehörten. Schöne Exemplare und Details können uns neben den Sammlungen an Gemälden und Geschirr und Büchern, die der Versteigerungs-Katalog am 18. Juni 1929, Berlin, Kantstrasse 162, allein detailliert verzeichnet, die europäischen Bezüge der Maltzans und die Beziehungen, die sie eingegangen sind, vor Augen führen. Die Maltzans gehörten schon im 13. Jahrhundert zu den Rittergeschlechtern Mecklenburgs. Sie pflegten, wie der historische Adel insgesamt, ein Familienbewußtsein, das weit über einen geographischen Rahmen hinausreichte. Das Gefühl einer nationalen Identität entwickelte sich historisch erst spät in den ersten Dezennien des 19. Jahrhunderts. Die Maltzans wirkten im Laufe der Jahrhunderte als Grundbesitzer, als Verwaltungsbeamte, in höchsten militärischen und diplomatischen Diensten heimischer und fremdländischer Großherzöge, französischer, böhmischer und preußischer Könige, als Minister, Offiziere, Marineoffiziere und Seekriegsstrategen, als Wissenschaftler, zu denen Militärhistoriker, Orientalisten und Literaturhistoriker gehörten, als Mitglieder des preußischen Herrenhauses und des Reichstags. Während ihres Wirkens in unterschiedlichen militärischen und diplomatischen Diensten und auf Reisen haben einige von ihnen sicher auch Waffen erworben. Manche Waffen dienten wohl auch dazu, sich mit der schönen Folie der Repräsentation zu schmücken. Andere waren sicher als Jagdwaffen in Gebrauch. Nicht von ungefähr hinterließ das Maltzansche Jagdleben auch dichterische Spuren. Der Penzliner Sturm und Drang – Poet Johann Heinrich Voß hatte in seiner sozialkritischen Dichtung „Junker Kord“ das adlige Vergnügen an der Jagd mit adliger Bauern- und Naturausbeutung verknüpft.
Wir freuen uns über die großzügige Schenkung von Herrn Lehmann aus Berlin an das Museum Burg Penzlin. Sie macht eine erste vorsichtige Annäherung an den einstigen Waffenbesitz einer adligen Familie möglich. Diese Ausstellung sucht deren Waffenprunk und Jagdleben nachempfindend zu rekonstruieren.
Die Jagdwaffen werden zusammen mit Jagdbildern und Jagdtrophäen aus dem Besitz von Dr. Wolfgang Köpp präsentiert. Das 19. Jahrhundert verdichtet sich so zu einer eindrucksvollen, rekonstruierten Momentaufnahme.