Volltextsuche

Alte Burg Penzlin
© I. Kittner 

Seiteninhalt

In Vorbereitung - Schulprojekt Hildegard von Bingen

„Dann schaute ich ein sehr helles Licht und darin die Gestalt eines saphirfarbenen Mannes...“: Die Edelsteinmedizin der Hildegard von Bingen

1. Pädagogische Ziele und Absichten

Indienstnahmen von Überlieferungen weisen immer auch auf Bedürfnisse des fragenden Zeitalters. Seit einigen Jahren zeichnet sich im Gesundheitsbewusstsein der Menschen ein Wandel ab. Kritiker werfen der modernen, zumeist sehr spezialisierten Medizin vor, den Menschen in seiner Gesamtheit aus den Augen verloren zu haben. Ein vermehrter Zustrom von Patienten zu Naturheilverfahren führte zu einem neuen Interesse an einschlägigen Traditionen. Der Arzneimittel- und Buchmarkt hat diesen neuen Trend längst aufgegriffen. Dabei werden die seit dem 15. Jahrhundert in Vergessenheit geratenen heilkundlichen Hildegard-Schriften oftmals nur auszugsweise und ohne Zusammenhang mitgeteilt und mit jetzigen Wünschen nach Spiritualität und Alternativmedizin verschmolzen. Die Benediktinerin aus dem 12. Jahrhundert wird auf diese Weise zur „ersten deutschen Naturärztin“ erhoben. Daneben wurde ihre Person auch von feministischen Strömungen entdeckt. In dem von Männern dominierten Mittelalter habe Hildegard sich durch ihre Abnabelung vom Kloster Disibodenberg und die Gründung ihres Klosters auf dem Rupertsberg als starke Frau in einer Männerkirche erwiesen.

Wir schärfen unseren historischen Sinn und entwickeln Respekt vor dem geschichtlich Anderen, wenn wir Überlieferungen nicht allein vor dem Hintergrund heutiger Bedürfnisse betrachten. Daher wollen wir im ersten Teil des Workshops verfolgen, wie unmittelbar nach dem Tod der heilkundigen Prophetin deren Biografie nach Schablonen der Heiligkeit geformt wurde. Wie biografische Ereignisse in eine Heiligenvita umgeschrieben wurden, ist auch an Filmsequenzen gut erkennbar.
Rückfragen an Hildegards Leben und Werk beziehen sich auch auf die klösterliche Kultur. Wir erhalten Einblicke in eine Zeit, in der in den Klöstern durch die Vermischung antiker Quellen und christlicher Theorien Grundlagen unserer heutigen Kultur entstanden.

2. Beschreibung des Projekts

2.1. Einstimmung in das Thema durch Sequenzen des Films „Vision Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ (Regie: Margarethe von Trotta, Bayerischer Filmpreis 2009)
2.2. Vortrag: Kurzbiografie der Hildegard von Bingen. Zwischen Fakten und christlicher Legendenbildung
2.3. Vorstellung ihrer Werke
2.4. Die Edelsteintherapie der Hildegard auf der Grundlage der Offenbarung des Johannes
2.5. Vorstellung einzelner ausgesuchter Edelsteine und Mineralien und deren Glaubensbedeutung
2.6. Gruppenarbeit: Mit Hilfe von bereitgestellten Texten und Anschauungsmaterial (Steinen) erarbeiten die Schüler selbständig die Theorie der Hildegard von Bingen über die Edelsteintherapie
2.7. Die Schüler stellen ihre Ergebnisse in einem Kurzvortrag vor

3. Teilnehmerzahl und Alter

Klassenstärke, 9. Klasse

4. Zeitumfang

2-3 Stunden

5. Kosten

3,- Euro pro Schüler

6. Empfohlene Literatur

Feldmann, Christian: Hildegard von Bingen: Nonne und Genie. Freiburg im Breisgau 2008.
Diers, Michaela: Hildegard von Bingen. München 1998.
Koschik, Heike: Hildegard von Bingen: Ein Leben im Licht. Berlin 2009.

7. Projektleitung

Heike Engel
Tel.: 03962/210494
E-Mail: alte.burg@penzlin.de

Hildegard schreibt ihre Visionen nieder. Holzschnitt von Jacob Köbel, 1524

Hildegard schreibt ihre Visionen nieder. Holzschnitt von Jacob Köbel, 1524