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Alte Burg Penzlin
© I. Kittner 

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Kräutergarten

Der Kräutergarten befindet sich im Burginnenhof und erstreckt sich längs der rekonstruierten Burgmauer. Ob und wo es früher einen Garten auf der Penzliner Burg gab, ist heute nicht mehr nachweisbar. Da im Kernbereich einer Burg wenig Raum für eine ausgedehnte Gartenanlage war, kann es sich nur um ein Würz- oder Kräutergärtlein gehandelt haben.

Bereits im Mittelalter wurde zwischen weißer und schwarzer Magie unterschieden.
Unterscheidend ist weniger die Methode als die Zielsetzung des Zauberns. Weiße Magie soll (teils als Abwehrzauber) dem Nutzen der Gruppe oder einzelner Personen dienen.
Schwarze Magie gilt dagegen als antisozial: Schadenzauber, der sich auf die Beseitigung von Hindernissen oder auf die Erlangung von Vorteilen durch Schädigung anderer richtet. Zur schwarzen Magie rechnet man auch den Liebeszauber, der die geliebte Person geneigt machen soll.
Pflanzen, die ausnahmslos im Zauberglauben eine bedeutende Rolle spielten, sind in sieben thematischen Gruppen zusammengefasst: Zu jeder Gruppe sind im Folgenden die zum Teil gezeigten Pflanzen aufgeführt und jeweils eine Pflanze als Beispiel genauer beschrieben.

1. Hexenabwehrpflanzen

Alant, Baldrian, Dachwurz, Dill, Dost, Immergrün, Johanniskraut, Knoblauch, Liebstöckel, Quendel

Knoblauch (Allium sativum):


Kräuter - Knoblauch

Wegen seines starken Geruchs galt der Knoblauch schon im Altertum als Unheil abwehrende Zauberpflanze. Er sollte vor dem „Behexen“ schützen und hieb- und stichfest machen. Der Glaube, Knoblauch ziehe Böses an, entstand, weil sich eine aufgehängte Zehe mit der Zeit schwarz verfärbt.
Vielfach wurde die Pflanze im Viehzauber verwendet. Man verfütterte sie, hängte sie über der Stalltür auf oder bestrich am Abend des 30. April (Walpurgis) damit die Stalltüren.
Der Knoblauch ist eine ausdauernde, bis 70 cm hohe Zwiebelpflanze. Die verhältnismäßig kleine Hauptzwiebel ist von einer Anzahl fast gleich großer Tochterzwiebeln, den Zehen, umgeben, mit denen sie in weiße, häutige Schalen eingeschlossen ist. Der ca. 1 m hohe Blütenschaft ist etwa bis zur Mitte beblättert. Die Scheindolde wird von einer sehr langen, geschnäbelten Hülle umgeben, die sich beim Aufblühen öffnet und später abfällt. Wenige langgestielte Blüten stehen zwischen bis zu 1cm großen Brutzwiebeln.

2. Weissagende Pflanzen

Gänseblümchen, Herbstzeitlose, Löwenzahn, Küchenzwiebel, Maiglöckchen

Maiglöckchen (Convallaria majalis):

Kräuter - Maiglöckchen

Die in lichten Laubwäldern vorkommende Frühlingsblume steht unter Naturschutz und wurde bereits von Hildegard von Bingen (1098-1179) als Mittel gegen Hautleiden und Epilepsie empfohlen. Als Frühlingsbote verhieß sie einerseits Glück, sollte aber auch Unheil ankündigen, falls sie vor Georgi (24. April) gefunden wurde.
Die bis 20 cm hohe Staude mit grundständigen, elliptischen Blättern und stark und angenehm duftenden grünlichweißen Blüten, die in einer Traube angeordnet sind, ist stark giftig. Sie blüht von Mai bis Juni. Die Früchte sind auffallend rote Beeren.

3. Pflanzen der Sympathiemedizin

Beifuß, Brennessel, Großblumige Königskerze, Roggen, Schafgarbe, Schöllkraut, Spitzwegerich

Signaturenlehre
Das magische Weltbild ist geprägt durch den Grundsatz der „Sympathie des Alls“, dem Gedanken, dass alles mit allem zusammenhängt. Dieser Sympathiegedanke mündet in die Vorstellung, dass Ähnliches Ähnliches bewirkt. Daher kann man von einem Weltbild sprechen, in dem die Welt durch Analogien strukturiert ist und die Dinge und Ähnlichkeiten aufeinander bezogen werden. Gleichermaßen gilt auch das Prinzip des Gegensatzes. Beide Prinzipien spielen in den Zauber- und Segenssprüchen und in Heilanweisungen eine wichtige Rolle.
Die schon in vorgeschichtlicher Zeit und in der Antike verbreitete Lehre, aus äußerlichen Eigenschaften wie Form und Farbe auf die Heilwirkung von Pflanzen zu schließen, wurde im 16. Jahrhundert von dem berühmten Arzt Paracelsus (1493-1541) weiterentwickelt: „Also die Siegwurz, hat Geflecht um sich wie ein Panzer. Das ist auch ein magisch Zeichen und Bedeutung, daß sie behüt vor Waffen wie ein Panzer.“
Der „Signaturenlehre“ entsprechend konnte Schöllkraut auf Grund gelber Blüten und des gelben Pflanzensaftes bei Gallenleiden oder das Leberblümchen seiner leberförmigen Blätter wegen bei Leberbeschwerden eingesetzt werden.
Roger Kalbermatten führt in seinem Buch „Wesen und Signatur der Heilpflanzen: Die Gestalt als Schlüssel zur Heilkraft, Aarau, 2002“ 45 Kräuter auf, von denen die meisten noch heute von uns wegen ihrer nachgewiesenen Heilkraft hoch geschätzt werden.

Große Brennessel (Urtica dioica):

Kräuter - Brennnessel

Früher glaubte man, dass in der Brennessel ein Geist wohne, auf den man „brennende“ Krankheiten wie z. B. Fieber übertragen könne. An Fieber Leidende gingen an drei aufeinanderfolgenden Tagen vor Sonnenaufgang zu einer Brennessel und sagten: „Guten Abend, du Alte. Ich bringe dir das heiße und kalte (Fieber). Mir soll es vergehen und du sollst es nehmen.“
Die Große Brennessel ist eine 30 bis 150 cm hohe Staude. Der weitverzweigte unterirdische Wurzelstock treibt im Frühjahr aufrechte, unverzweigte, vierkantige Laubsprosse, die mit kurzen Borsten und den langen, auch auf den Laubblättern vorhandenen Brennhaaren besetzt sind.
Sie gilt als wichtigste Pflanze zur Blutreinigung und wirkt gegen Blutarmut und Eisenmangel. Wegen ihrer starken Inhaltsstoffe sollte der Tee nicht länger als drei Wochen getrunken werden.

4. Hebammenkräuter

Frauenmantel, Hirtentäschel, Johanniskraut, Kuhschelle, Mutterkraut, Petersilie, Salbei, Schwarze Nieswurz, Weinraute, Wermut, Zitronenmelisse

Petersilie (Petroselinum crispum):

Kräuter - Petersilie

Die heute in unserer Heimat wohl bekannteste und gebräuchlichste Gewürzpflanze besaß sowohl in der Volksmedizin als auch im Aberglauben ein breites Anwendungsspektrum. Sie galt wegen ihrer durchblutungsfördernden Wirkung als Aphrodisiakum, wurde aber auch als Abtreibungsmittel eingesetzt. Straßen, in denen die Prostituierten ihrem Gewerbe nachgingen, hießen früher Petersiliengasse. In vielen Gegenden gab man den Kühen das Kraut, um den Einfluss der Hexen unwirksam zu machen.
Die zweijährige Pflanze stammt aus Südeuropa und gehört zur Familie der Doldengewächse. Die dunkelgrünen Blätter sind doppelt bis dreifach gefiedert, bei manchen Sorten auch stark gekräuselt. Erst im zweiten Jahr entwickeln sich die kleinen gelblichgrünen Blüten, die in lang gestielten Dolden stehen. Die Petersilie ist stark würzig und sehr vitaminreich.

5. Liebeszauberpflanzen

Baldrian, Eisenkraut, Liebstöckel, Ringelblume, Salbei, Weinraute, Rote Zaunrübe

Ringelblume (Calendula officinalis):

Kräuter - Ringelblume

Die Ringelblume zählt zu den Pflanzen, die ihre Blüten am frühen Morgen öffnen und zum Tagesausklang wieder schließen. Auf diese Eigenschaft ist ihr wissenschaftlicher Name „Calendula“ zurückzuführen, welcher „kleiner Kalender“ bedeutet.
Bekannt ist die entzündungshemmende Wirkung der Blüten, die außerdem die Wundheilung fördern. Wegen ihrer gelbroten Farbe wurde der Tee oft gegen Gelbsucht, aber auch gegen Schweinerotlauf eingesetzt. Ähnlich der Margerite dienten die Ringelblumenblüten jungen Mädchen als Liebesorakel, wohingegen die Burschen stets eine Wurzel dieser Pflanze in einem violettseidenen Tüchlein bei sich tragen sollten, um sich bei den Mädchen beliebt zu machen.
Die Ringelblume ist ein Korbblütler mit wechselständigen, lanzettlichen Blättern und großen goldgelben bis orangefarbenen Blütenköpfen. Die inneren Früchte sind ringförmig zusammengerollt. Der Pflanze entströmt ein strengwürziger Duft. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts diente sie als Grab- und Leichenschmuck, wobei der strenge Geruch böse Geister abwehren sollte.

6. Glückspflanzen

Eberraute, Engelwurz, Frauenmantel, Hohe Schlüsselblume, Wurmfarn

Engelwurz (Angelica archangelica):

Kräuter - Engelwurz

Engelwurz galt im Mittelalter als wirksames Mittel gegen Seuchen. Der Legende nach stieg in größter Not ein Engel vom Himmel herab und brachte den Menschen die Pflanze, damit diese sich gegen die Pest schützen können.
Wer sie bei sich trug, sollte nicht nur vor schädlichem Zauber geschützt sein, sondern auch von jedermann geliebt werden.
Der stattliche, bis zu 2 m hohe Doldenblütler mit zwei- bis dreifach gefiederten Blättern entwickelt erst im zweiten Jahr einen 5 cm dicken schwammigen Wurzelstock. Die grünlichen bis gelben Blüten stehen in großen halbkugligen Dolden auf langem Stiel.

7. Hexenflugkräuter

Blauer Eisenhut, Petersilie, Roter Fingerhut, Schlafmohn, Schwarze Nieswurz

Bilsenkraut (Hyoscyamos niger):

Kräuter - Bilsenkraut

Das Bilsenkraut ist eine der ältesten Gift- und Zauberpflanzen und war häufig Bestandteil der sogenannten „Hexensalben“. Die während einer akuten Vergiftung erfolgenden Halluzinationen (Gefühl des Fliegens, Verwandlung in Tiergestalt) mögen als tatsächlich erlebt geglaubt worden sein.
Die zu den Nachtschattengewächsen (Solanazeen) gehörige, stark nakotisch wirkende, widrig riechende Giftpflanze wächst verstreut auf Schutthalden und an Mauern und Wegrändern.
Aus der sowohl ein- als auch zweijährigen Wurzel wächst ein 20 bis 80 cm hoher Stängel. Der Stängel und die Blätter sind mit klebrigen Drüsenhaaren besetzt. Die einzelnen, in den Blattachseln fest sitzenden Blüten bilden eine lange einseitige Ähre. Die glockenförmige, fünflappige, schmutziggelbe Blütenkrone ist mit dunkelvioletten Adern netzförmig durchzogen.

Als „lebender“ Ausstellungsbereich verändert der Kräutergarten nicht nur im Jahreslauf ständig sein Aussehen. Kräuter werden umgepflanzt, neue kommen hinzu und einige gehen leider ein. Auch kommt es vor, dass eine Pflanze, die besonders stark im Zauberglauben verankert war, auf mehreren Themenbeeten zu finden ist. (z. B. Petersilie, Liebstöckel)

Wir möchten Sie ausdrücklich bitten, keine Pflanzen und Pflanzenteile zu entnehmen. Einige Pflanzen der Exposition sind giftig. Bei den bekannten ungiftigen Kräutern genügt ein Berühren oder leichtes Reiben mit den Fingerspitzen, um den Duft aufnehmen zu können.
Ein wiederholtes Pflücken schadet dem Pflanzenwachstum.

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Kräuter - Bilsenkraut
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Kräuter - Brennnessel
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Kräuter - Engelwurz

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Kräuter - Knoblauch
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Kräuter - Maiglöckchen
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Kräuter - Petersilie

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Kräuter - Ringelblume